Neutrino-Schubart und die Physik: Professor rät zur Wattwanderung

 

Energie aus dem All verspricht Holger Thorsten Schubart mit seinem Geflecht aus Neutrino-Unternehmungen, doch was ist dran an dieser Behauptung? Diese Frage wurde bislang ganz eindeutig beantwortet: Blödsinn. Geht nicht. Doch Schubart schlägt zurück, mithilfe des berüchtigten Kommunikationsberaters Marcus Johst, dessen Motto: „PR ist Krieg“.

Offensichtlich um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, „den Feind zu verwirren“ oder gar aus einem Zustand eigener geistiger Verwirrung heraus, hat Schubarts PR-Mann eine Serie zum „Neutrino-Blödsinn“ (sic!) gestartet. Vielleicht ist es aber auch doch nur der Versuch, sich selbst zu karikieren, um von niemand anderem mehr karikiert werden zu können (die Lagerfeld-Taktik).

In der „Neutrino-Blödsinn“-Serie kommt neben dem Neutrino-Züchter Schubart höchstselbst auch der anerkannte und an der LMU in München lehrende Physik-Professor Harald Lesch zu Wort. Welcher sich einst schon mal mit Neutrinos zu beschäftigen hatte und zwar im ZDF, wo er die Natur dieser merkwürdigen Teilchen erklärte. Spoiler: Verstromen kann man Neutrinos nicht!

Auf die Einwände Professor Leschs das Neutrinos nur sehr, also wirklich sehr (!), schwache (!) Wechselwirker seien, weiß Schubart jedoch zu entgegnen, dass er Materialen verwende, die in der Natur nicht vorkommen. Welche besondere Entdeckung er außerhalb des uns bekannten Periodensystems gemacht hat, lässt er indes offen. Dabei wäre ein Element „Schubartium“ doch eine wirkliche Bereicherung für unsere Periodentafel.

In einem weiteren Interview erklärt Holger Thorsten Schubart sodann, unter Bezugnahme auf die berühmte Formel Albert Einsteins, E=mc2, dass er die kinetische (= Bewegungs/Geschwindigkeits-) Energie der Neutrino-Strahlung verstromen will, kurz zuvor meinte er jedoch noch, dass er die Masse der Neutrinos in Energie umwandeln will. Was es nun ist, was und wie verstromt werden soll, blieb auch hier unklar. Aber das ist ja kennzeichnend für Schubart. Er palawert, er redet, aber immer ohne etwas zu sagen, Klarheit zu schaffen. Irgendwann sind die Leichtgläubigen eingelullt genug, um zu investieren und dann wird auch verstromt. Aber sicher keine Neutrinos, sondern das Geld der Leichtgläubigen und auch nicht für diese, sondern allein für Schubarts Lebenswandel.

Professor Lesch hält dagegen, dass man gegen solche Behauptungen nur schwer ankomme, „soll er doch behaupten.“ Denn eine Behauptung ohne Beweis ist bekanntlich wertlos.

Gefragt, ob er einen Rat für Schubart hat, entgegnete der Physikprofessor, dass er mit diesem gerne an die Nordsee fahren würde. Wenn Ebbe ist, schickt er ihn ins Watt – „lauf mal los.“ „Der kommt nie wieder“, schloss Professor Lesch ohne sich dabei ein zufriedenes Schmunzeln verkneifen zu können.